Was ist Ihr Konzept? Wie kamen Sie auf die Idee, diese Sprachschule zu gründen? Seit wann existiert diese?
Die Idee hinter Glovico ist sehr simpel: Lehrer aus Entwicklungsländern unterrichten ihre Muttersprachen via Skype. So bekommt man hier günstige Privatstunden von einem Spanischlehrer aus beispielsweise Guatemala und die Leute vor Ort können sich ein gutes Nebeneinkommen verdienen. So wollen wir zusätzliche Jobs vor Ort schaffen und interkulturellen Dialog fördern. Auf die Idee kam ich vor zwei Jahren als ich aus Forschungszwecken in Eritrea war und gesehen habe, was Armut aus Menschen macht, die eigentlich viel zu bieten haben. Da habe ich beschlossen, dass man da was machen muss und Glovico gegründet. Unsere Website ist dann ca. 1 Jahr später online gegangen: im Mai 2010.
Sie sind ein sind ein Not-For-Profit-Unternehmen. Was bedeutet das genau?
Wir sind inspiriert vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch, der mit seiner Grameen Bank Mikrokredite an die Ärmsten vergibt. Er vertritt die Idee von Social Businesses, Unternehmen, die auf soziale Belange ausgelegt sind und mögliche Gewinne in das Unternehmen reinvestieren, letzlich also wie Krankenhäuser oder Kindergärten hier. Der Clou an solchen Modellen ist, dass den Menschen auf der anderen Hälfte des Planeten langfristig mehr geholfen wird, wenn man ihnen neue Jobs schafft als wenn man durch Spenden Abhängigkeiten schafft. Glovico selbst soll sich selber tragen aber keine Gewinne erwirtschaften.
Wie viele Sprachen bieten Sie an?
Derzeit 20, aber bis Sommer nächsten Jahres wollen wir bei 50 sein.
Wie viele Lehrer arbeiten bei Ihnen? Nach welchen Kriterien wählen Sie diese aus?
Wir haben momentan 31 Lehrer mit unterschiedlichsten Hintergründen. Gerade bei unseren Spanischlehrern sind viele ausgebildete Lehrer dabei, für andere Sprachen bilden wir die Lehrer durch Teacher Trainings weiter. Die Auswahl der Lehrer erfolgt anhand eines sehr komplexen Kriterienkatalogs: zum Einen muss natürlich eine vernünftige Internetverbindung vorhanden sein und sie müssen Englisch sprechen, damit sie auch unterrichten können. Daneben spielen soziale Punkte eine große Rolle, wie ob es sich um eine arbeitslose alleinerziehende Mutter von zwei Kindern handelt oder jemanden, der vor Ort bereits einen sehr guten Job hat. Aber auch Lehrerfahrung spielt natürlich eine große Rolle!
Was sind die Vorteile Ihrer Onlinebetreuung? Was zeichnet Ihre Schule besonders aus?
Unser Unterricht erfolgt via Skype. Dadurch kann man jederzeit bequem von zu Hause oder aus dem Hotel Unterricht nehmen und muss nicht extra in eine Schule fahren. Da unsere Lehrer ihre Stundenpläne nach den Schülern ausrichten, kann man Stunden zudem flexibel dann nehmen, wenn es einem gerade passt. Durch den Unterricht von Muttersprachlern ist es natürlich außerdem viel spannender als mit jemandem hier zu lernen. Last but not least, sind wir auch sehr günstig: los geht’s ab 7 € die Stunde.
Wie kann man sich den Ablauf vorstellen?
Das ist supereinfach: in einer kostenlosen Schnupperstunde lernt man seinen Lehrer erst einmal kennen und der Lehrer stellt fest, auf welchem Niveau man schon ist. Danach würde bei Interesse des Schülers ein Stundenplan anhand dessen Bedürfnissen festgelegt. Der Lehrer würde seine Stunden dann so einrichten, wie es dem jeweiligen Schüler gut passt. Die Stunden sind meist so aufgebaut, dass man zu Beginn 5-10 Minuten frei über die vergangene Woche spricht und dann in den Hauptteil mit Übungen, Diktaten, weiterer Konversation oder sonstigen Unterrichtsmethoden einsteigt. Am Schluss wird das Ganze nochmal rekapituliert und es werden Hausaufgaben und/oder der Inhalt der nächsten Stunde abgesprochen.
Die Schüler benoten ihre Lehrer. Wie verhalten Sie sich bei schlechten Bewertungen oder Unstimmigkeiten?
Darüber hatte ich mir anfangs auch viele Gedanken gemacht. Bislang hatten wir dieses Problem jedoch überhaupt nicht: unsere Schüler sind fast schon zu zufrieden mit ihren Lehrern, so dass bislang fast alle Lehrer fünf von fünf Sternen haben.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Da gibt es einige! Zunächst wollen wir natürlich unser Sprachspektrum ausbauen. Wir planen darüber hinaus gerade ein Programm, wo wir in Schulen Videokonferenzen anbieten wollen, in denen die Schüler mit unseren Lehrern über die Auswirkungen von Globalisierung diskutieren können. Mittelfristig wollen wir auch ein Mikrokreditprogramm aufsetzen, so dass auch ärmere Lehrer eine Möglichkeit bekommen, sich ein Netbook, eine Webcam und eine Internetverbindung vorzufinanzieren.