Frau Hollm, die Tiertafel Deutschland wurde von Ihnen vor fünf Jahren gegründet. Wie kamen Sie dazu?
Mein Mann und ich haben einen Fernsehbericht verfolgt , in dem eine Familie (Eltern mit zwei Kindern) plötzlich in Hartz IV landeten und ihren geliebten älteren Familienhund ins Tierheim geben musste. Die Familie war unendlich traurig und der alte Hund ist sogar eine kurze Zeit später im Tierheim verstorben.
Wir sprachen darüber, was passiert wenn uns das passieren würde und fassten mit einem Blick auf unsere Tiere den Entschluss, etwas zu ändern. Als erstes suchten wir Mitstreiter, um einen Verein zu gründen. Dann wurden Spender, Sponsoren und Räumlichkeiten gesucht. Das klingt sehr einfach, war aber ein schwerer Weg, denn anfangs fand die Idee jeder gut, aber niemand wollte wirklich was dafür tun. Wir waren auf Messen präsent, sind Futtermittelhersteller abgefahren und haben unzählige Briefe geschrieben. Dann wurde im Oktober 2006 die erste Tiertafel-Ausgabestelle in Rathenow eröffnet. Von da an ging es Schlag auf Schlag.
Haben Sie selbst Tiere oder sind Sie einfach nur ein sehr Tier liebender Mensch?
Ich bin wohl ein Quereinsteiger. Vor meiner Hochzeit vor dreizehn Jahre hatte ich keine Haustiere, dann heiratete ich mit meinem Mann, der eine damals schon 11 jährige Katze mit Namen Elvis hatte. (Eine Kätzin..trotz des ungewöhnlichen Namens). Da mich die Katze konsequent ignorierte fragte mich mein Mann, ob ich auch gerne ein Haustier hätte. So kam unser Rüde Bugsy (Tibet Terrier) in die Familie. Zwei Jahre später noch das Tibet Mädchen Jojo. Elvis verstarb mit 24 Jahren und brachte uns kurz vor ihrem Tod einen Kater aus dem Wald mit - Morle. Nun haben wir zwei Hunde und drei Katzen, denn Morle bekam aus einem Notfall noch zwei Katzenmädchen Murmel und Elvis Junior als Partnerinnen. Nun reicht es aber auch, denn Tiere brauchen Zuwendung und Zeit...
Wie kommen Sie an die ganzen Futtermittel für die Ausgabestellen? Wird es von der Zentrale aus gesteuert und an alle verteilt?
Jede Ausgabestelle versucht selber in der eigenen Stadt Futter zu bekommen. Jedoch klappt das in vielen Städten nicht, so sammelt der Vorstand auch bei Futtermittelherstellern direkt größere Mengen, die dann an alle, die es brauchen verteilt wird. Diese zentrale Verwaltung hilft die Lagerhaltung vor Ort in den Städten klein zu halten und trotzdem eine gute Versorgung zu garantieren.
In welcher Stadt haben Sie derzeit die meisten Bedürftigen? Kommen im Winter noch mehr als im Sommer?
Die Bedürftigkeit steigt momentan in jeder Stadt. Zur Zeit bemerken wir einen starken Anstieg von älteren Menschen. Die Altersarmut hat nun voll zugeschlagen. Wir bemerken keinen Unterschied der Bedürftigkeit in den verschiedenen Jahreszeiten. Nur die Art des nachgefragten Sachbedarfs wie z.B. Wintermäntel für kleinere Hunde oder warme Decken für Hundeplätze.
Wo bzw. für was soll die Gewinneranzeige eingesetzt werden?
Wir haben das große Problem, dass wir zwar von der Presse wahrgenommen werden, jedoch mehr Kunden den Weg als Spender den Weg zu den Ausgabestellen finden. Es wäre uns eine große Hilfe, auch Spender auf uns aufmerksam zu machen, ohne aber auf Mitleid und stark emotionale Bilder zu setzen. Denn nach wie vor sind alle Helfer und auch der Vorstand ehrenamtlich für die Tiertafel Deutschland e.V. tätig. Da wir uns nur aus Spenden finanzieren, freuen wir uns über neue Spender und Sponsoren.
Haben Sie noch eine bestimmte Message an die Teilnehmer?
Die Tiertafel Deutschland e.V. legt viel Wert auf Transparenz und Ehrlichkeit. Wir arbeiten mit den Menschen für die Tiere. Es wäre toll, wenn das rüberkäme.